Zum Hauptinhalt springen

ich bin halt so!“ – über identitäten, die wir über uns erzählen

Ich bin halt so – aber stimmt das noch?

Ich sage „ich bin halt so“ und meine damit: so bin ich eben. Aber was, wenn dieses „so“ gar nicht mehr zu mir passt? In dieser Folge geht es um Identitäten, um alte Geschichten, die wir über uns erzählen, um Fremdzuschreibungen, die sich wie Eigenschaften anfühlen, und um die stille Erkenntnis, dass ich heute jemand anderes sein darf als früher. Wenn du das Gefühl kennst, dass du irgendwie nicht mehr in dein eigenes Selbstbild passt, dann ist genau das mein Thema heute.

Alte Label und fremde Geschichten

Viele Geschichten, die ich über mich erzähle, stammen gar nicht von mir. Sie kommen von anderen Menschen, von frühen Erfahrungen, von Momenten, in denen jemand gesagt hat: Du bist so. Und irgendwann habe ich das geglaubt. Diese Fremdzuschreibungen fühlen sich mit der Zeit wie echte Eigenschaften an. Sie sitzen tief, sie klingen vertraut, und genau deshalb hinterfrage ich sie so selten. Ich teile in dieser Folge persönliche Beispiele und psychologische Hintergründe dazu, wie solche alten Label entstehen und warum sie so lange bleiben.

Das Problem ist nicht, dass ich eine Identität habe. Das Problem ist, wenn ich mich an eine Version von mir klammere, die längst nicht mehr zu mir passt. Wenn ich mich als „die Schüchterne“ definiere, obwohl ich das seit Jahren nicht mehr bin. Wenn ich sage „ich bin kein Morgenmensch“, obwohl ich mich nie wirklich damit auseinandergesetzt habe. Diese Geschichten sind bequem, weil sie mir erklären, wer ich bin, ohne dass ich groß nachdenken muss. Aber sie halten mich auch fest.

Ich als System im Wandel

Diese Folge ist eine Einladung, mich von alten Labeln zu lösen und mich als etwas Lebendiges zu sehen: als ein System im Wandel, das wachsen darf. Ich bin nicht statisch. Ich verändere mich, meine Bedürfnisse verändern sich, meine Werte verschieben sich, mein Leben sieht heute anders aus als vor fünf Jahren. Und trotzdem rede ich manchmal über mich, als wäre ich dieselbe Person wie mit zwanzig.

Ich darf heute jemand anderes sein als früher. Das klingt einfach, aber es braucht Mut. Denn wenn ich mich verändere, heißt das manchmal auch, dass ich alten Versionen von mir Lebewohl sagen muss. Versionen, die vielleicht lange gebraucht haben, um entstehen zu dürfen. Versionen, die mich durch schwierige Zeiten getragen haben. Diese Anerkennung ist wichtig. Aber sie bedeutet nicht, dass ich für immer an ihnen festhalten muss.

Es gibt eine stille Erkenntnis in diesem Prozess. Nicht laut, nicht dramatisch. Eher so ein leises Spüren, dass etwas nicht mehr stimmt. Dass das Bild, das ich von mir habe, und das Bild, das ich gerade lebe, auseinanderdriften. Dieses Gefühl ist kein Problem. Es ist ein Signal.

Eine Übung, die ich teile

Ich teile eine einfache Übung, mit der du herausfinden kannst, welche Version von dir gerade gehen darf und welche längst da ist. Es geht darum, innezuhalten und ehrlich hinzuschauen. Welche Überzeugungen über mich selbst trage ich mit mir, ohne sie je wirklich überprüft zu haben? Welche Eigenschaften schreibe ich mir zu, weil andere sie mir zugeschrieben haben? Und welche Version von mir ist eigentlich schon längst da, wartet aber darauf, dass ich sie anerkenne?

  • Welche Geschichten erzähle ich über mich, die sich nicht mehr richtig anfühlen?
  • Woher kommen diese Geschichten ursprünglich?
  • Welche Version von mir darf gehen?
  • Welche Version von mir ist schon da, aber noch nicht anerkannt?

Diese Fragen sind kein Test. Sie sind eine Einladung. Eine Einladung, mich selbst neu zu begegnen, ohne Bewertung, ohne Druck, ohne das Gefühl, dass ich sofort alles ändern müsste. Es reicht, erst einmal hinzuschauen.

Wenn du das Gefühl kennst, dass du irgendwie nicht mehr in dein eigenes Selbstbild passt, dann ist diese Folge für dich. Und wenn du magst, teile deine Erkenntnisse in den Kommentaren mit mir.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert