Wissen allein reicht nicht: Warum du trotz Selbstreflexion auf der Stelle trampelst
Du hast dich jahrelang mit dir beschäftigt, hast Bücher gelesen, Podcasts gehört, warst vielleicht in einer therapeutischen Begleitung oder im Coaching und du analysierst deine Verhaltensmuster, die Dynamiken mit anderen Menschen. Du nimmst das alles wahr. Und dann tendierst du dazu, noch mehr zu lernen, noch mehr zu wissen, und wissen zu wollen. Beleuchtest dich aus 100 verschiedenen Perspektiven. Warum du in bestimmten Situationen so reagierst, wie du reagierst. Und du weißt ja auch, wo das herkommt. Du kannst das alles erklären, aber es ändert sich nichts. Mir ging es viele Jahre ganz genauso. Ich habe sehr, sehr lange auf dieser Stelle getrampelt und bin keinen Schritt vorwärts gekommen.
Ich erkenne mich in so vielen Dingen wieder und habe jedes Mal wieder dieses Aha-Erlebnis. Das waren alles total wertvolle Dinge, um mich besser zu verstehen. Aber ich bin keinen Schritt weitergekommen. Es fühlte sich eher so an, als würde ich ganz weit nach links und ganz weit nach rechts laufen, aber keinen Schritt vorwärts. Das hat sich dann auch in meinem Verhalten gespiegelt. Auch wenn ich wusste, dass ich die Dinge anders tun muss, sind sie in dem Moment aber nicht gekommen. Ich habe meine Muster verstanden, aber wenn es dann darauf ankam in der Situation, habe ich trotzdem so gehandelt wie früher.
Das zu realisieren war der Moment, in dem mir klar wurde: Ich brauche nicht noch mehr Wissen. Ich brauche eine Struktur, um in die Umsetzung zu kommen.
Was in deinem Gehirn passiert, wenn du versuchst, dich zu verändern
Unser Gehirn verändert sich durch Wiederholungen und Erfahrungen. Jedes Mal, wenn du einen Gedanken denkst, eine Reaktion zeigst oder ein Verhalten ausführst, wird die neuronale Verbindung dahinter ein kleines bisschen stärker. Stell dir das wie ein Straßennetz vor. Eine Autobahn, die häufig befahren wird, kannst du sauschnell befahren, weil die Straße perfekt ausgebaut ist. Wenig benutzte Wege allerdings, wie zum Beispiel ein Schotterweg, die verkümmern mit der Zeit zu Feldwegen. Da wächst Gras drüber. Das nennt sich neuronale Plastizität. Und es funktioniert unabhängig davon, ob das Muster dir gut tut oder dich einschränkt.
In dem Moment, wo dich eine Situation triggert, nimmt dein Gehirn in einer Millisekunde die bestbefahrenste Route, also die Autobahn. Der neue Weg ist zwar auch irgendwo da, aber du entscheidest dich ja nicht bewusst, den Schotterweg zu wählen, wenn du auch die Autobahn fahren kannst. Und deshalb passiert das alte Muster so schnell, noch bevor du eigentlich schalten kannst.
Dazu kommt noch etwas, das wir als versteckten Vorteil bezeichnen von einem Verhaltensmuster. Jedes Muster, das du in dir trägst, hatte irgendwann mal eine Funktion. Traumafolgen sind grundsätzlich eine Schutzfunktion, die unser Körper so etabliert hat. Das Nervensystem hat das abgespeichert und behandelt dieses Muster seitdem als sehr vertraut. Und vertraut bedeutet sicher. Diese innere Stimme schaltet sich bei Veränderungsprozessen ein und möchte das Bekannte, das Sichere verteidigen. Sie schützt sich also nach einem Muster, das einmal sehr dienlich für dich war, aber heute vielleicht nicht mehr.
Kleine Erfahrungen statt großes Wissen: So entsteht echter Wandel
Was Veränderung aber tatsächlich in Gang setzt, sind konkrete Erfahrungen, die dein System macht, dass ein neues Verhalten möglich ist und gut ausgeht. Die Forschung zur Verhaltensänderung, unter anderem auch aus der kognitiven Verhaltenstherapie und Neuropsychologie, zeigt, dass kleine wiederholte Erfolgserlebnisse die effektivste Grundlage dafür sind, Veränderungen zu integrieren. Jedes Mal, wenn du anders handelst und erlebst, dass es funktioniert, wird dieser Schotterweg ein bisschen breiter. Und je öfter du das neue Verhalten ganz bewusst und aktiv nutzt, desto schneller wird aus dem Schotterweg auch eine Autobahn.
Lass mich das mal an einem konkreten Beispiel festmachen. Nehmen wir das Thema Grenzen. Du passt dich an, du gibst ständig nach, du richtest dich nach anderen aus und irgendwann weißt du gar nicht mehr wirklich, was du eigentlich willst. Du könntest dir als Ziel setzen, deine eigene Stimme wiederzufinden, zu lernen, selber zu entscheiden und dich Schritt für Schritt daran zu gewöhnen, das zu sagen, was du fühlst, was du denkst, und deine eigenen Bedürfnisse voranzustellen. Und das kann am Anfang ziemlich ungemütlich werden. Vielleicht werden Menschen dich auch verlassen, weil du jetzt nicht mehr dienlich für sie bist. Und weil diese Umbruchphase so stolperig ist, so unangenehm, brechen die meisten auf der Schotterpiste ab. Evolutionsbiologisch ist es sogar an uns angelegt, dass wir immer den Weg der niedrigsten Energieaufbringung wählen.
Ein System für die ersten und schwierigsten 30 Tage der Veränderung
Als ich dann angefangen habe, mein Denken systematisch zu trainieren, konsequent, täglich, mit einem klarem Fokus, hat sich ganz schön viel bewegt in mir. Und genau dafür habe ich ein System entwickelt, das genau das abbildet. Das begleitet dich in der ersten und schwierigsten Phase, also in den ersten 30 Tagen, in denen du über diese holprige Schotterpiste fährst. Es kombiniert die Aspekte aus der Neurobiologie und Verhaltenspsychologie, um unser Gehirn an Veränderungsprozesse zu gewöhnen.
Wir nehmen das Thema, das den größten Hebel auf dein Leben gerade hat. Und dann sammelst du 30 Tage lang kleine Beweise dafür, dass du anders handeln kannst. Dein Gehirn lernt durch Erfahrung, und genau hier baust du täglich deine Schotterpiste aus. Ob dein Thema jetzt Grenzen setzen ist, deine innere Stimme wiederfinden, eine Beziehungsdynamik, dein Selbstwert, People-Pleasing oder nicht in die Umsetzungskraft kommen, das spielt keine Rolle. Das System ist auf alles anwendbar, denn es geht nicht um das Thema. Es geht um die Dynamik, die in deinem Gehirn stattfindet.
Ich sage dir ganz ehrlich, das ist kein Zaubertrank. Es ist nicht dieses eine Tool, das dir verspricht, dass du danach geheilt bist. Es ist eine Möglichkeit, die du, wenn du dich hier wiedererkennst, auch gerne mal ausprobieren kannst. Und hier ist meine Abschlussfrage für dich: Welcher Hebel wäre in deinem Leben aktuell der größte und was würde sich verändern, wenn du dich nur auf diesen einen Hebel konzentrierst?