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55 – Ändert er sich oder muss ich gehen? 

Clarissa mit C · Podcast

Was tun, wenn du Bedürfnisse hast, die dein Partner nicht erfüllen kann/will? Musst du damit leben, dich verändern oder gehen? Was braucht es, eine sichere Beziehung zu haben und korrigierende Erfahrungen zu machen, von denen alle sprechen? Das und viel mehr erfährst du in dieser Podcastfolge..

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Ändert er sich oder muss ich gehen? 

Sicherheit in dir oder Sicherheit durch andere?

Ich habe letzte Woche eine Nachricht bekommen von einer Followerin mit einer Frage, die ich super interessant fand. Sie hat mir geschrieben, auf einen Post reagiert, in dem es darum ging, wie wir lernen, korrigierende Erfahrungen zu machen. Sie meinte, sie struggelt mit diesem Thema, weil sie sich fragt, ob sie Sicherheit in sich selbst erlernen kann oder ob sie einen sicheren Gegenüber, also in dem Fall ihren Partner, dafür braucht. Ihr Partner scheint ein vermeidender Typ zu sein, der nicht über seine Bedürfnisse spricht und auch seine Gefühle nicht kommuniziert und ihr nicht immer das gibt, was sie in dem Moment gebrauchen könnte. Also hat sie mich gefragt, wie lerne ich denn jetzt in dieser Situation Sicherheit oder korrigierende Erfahrungen, muss mein Partner da mitmachen oder muss ich gehen?

Der Irrtum: Heile dich selbst und du brauchst niemanden mehr

Es gibt diese Theorie, die ich überall lese und vielleicht auch du kennst. Finde Sicherheit in dir, heile dich selbst, liebe dich selbst und dann bist du völlig unabhängig von den Menschen um dich herum. Ich sehe das einfach kritisch. Diese Theorie greift kurzweilig, ist aber nicht ganz zu Ende gedacht, denn wir sind relationale Wesen. Das heißt, wir sind nicht dafür gemacht, alleine und unabhängig in dieser Welt zu sein, sondern mit anderen Menschen in Beziehung zu sein, in Verbindung zu sein. Vielleicht hast du schon mal davon gehört, dass Trauma in Beziehungen entsteht, aber auch geheilt wird. Da kommt auch das Thema Korregulation ins Spiel. Korregulation bedeutet, dass wir uns durch andere Menschen regulieren. Da ist also ein ruhiger Mensch, der unser Nervensystem beruhigen kann. Aber es gibt auch den gestressten Menschen, der unser Nervensystem stressen kann. Und deswegen ist es eben nicht ganz so egal, mit wem wir zusammen sind.

Du kannst noch so viel Sicherheit in dir tragen, kannst noch so viel in dir arbeiten, aber wenn du Menschen in deinem Umfeld hast, die dir das Gegenteil spiegeln, dann fühlt sich das nicht sicher an. Wenn du dich öffnest, dich mitteilst und dein Partner distanziert sich emotional von dir, dann fühlt sich das auch nicht sicher an, egal wie viel du in dir gearbeitet hast. Menschen beeinflussen uns. Menschen beeinflussen unser Nervensystem. Menschen beeinflussen uns, wie sicher wir uns fühlen.

Was korrigierende Erfahrungen wirklich brauchen

Korrigierende Erfahrungen bedeuten, dass dein Nervensystem etwas Neues lernt. Wenn du in deiner Kindheit vielleicht gelernt hast, dass wenn du Nähe brauchst und wenn du das kommunizierst, du dann eher abgewiesen wirst, dann lernt dein Nervensystem, dass du mit deinen Bedürfnissen so nicht richtig bist und so nicht akzeptiert wirst. Wenn du jetzt als erwachsener Mensch dann diese Erfahrung machst, dass du ein Bedürfnis äußerst und ein Mensch dir genau wie damals das Gefühl gibt, hey, du mit deinem Bedürfnis bist mir völlig egal, dann fährst du dasselbe Muster wie das, was dein Nervensystem als Kind gelernt hat. Neue Erfahrungen entstehen durch neue Erfahrungen. Das heißt, dein Nervensystem darf die Erfahrung machen, dass du mit deinen Bedürfnissen richtig und willkommen bist. Und das erfordert einen anderen Menschen, der dir das Gefühl gibt, egal was du hast, du bist willkommen.

Aber wenn dein Partner eben das nicht bietet und nicht mitarbeitet, also wenn er nicht bereit ist, anders zu reagieren, dann spielt ihr in der Verbindung quasi das alte Muster immer wieder ab, das du einmal gelernt hast. Und dann kannst du für dich entscheiden, ob das der Partner ist, mit dem du zusammen sein möchtest oder ob es vielleicht andere Menschen gibt, mit denen du korrigierende Erfahrungen machen kannst. Vielleicht in Freundschaften, vielleicht ein Familienmitglied. Und vielleicht reicht dir das auch schon, dass du trotzdem in der Partnerschaft bleiben kannst und dass du dir diese emotionale Sicherheit und diese korrigierenden Erfahrungen woanders holst.

Denn wie so oft haben wir Bedürfnisse, die in uns entstehen, aber wir sie nicht kommunizieren können, weil sie nicht klar in unserem Kopf landen. Das Bedürfnis entsteht im Körper und unser Körper hat dann dieses Verlangen, aber es kommt im Kopf nicht an. Was wir an dieser Stelle tun können, um eben schneller zu verstehen oder verbalisieren zu können, was wir brauchen, das hängt mit unserer Fähigkeit der Selbstregulation zusammen. Aus einem regulierten Nervensystem heraus können wir wieder rational denken und verstehen, was wir eigentlich gebraucht hätten.

Reicht dir das?

Unterm Strich, korrigierende Erfahrungen brauchen jemanden, der korrigierend reagiert. Jemand, der dir zuhört, jemand, der dich versteht, jemand, der sich bemüht, mit dir den Weg zu gehen. Jemand, der aktiv daran arbeitet, dich in deiner Heilung auch zu unterstützen. Wenn dieser jemand aber nicht bereit ist, diesen Weg mit dir zu gehen, dann kannst du dich noch so sehr um dich selber kümmern und Sicherheit in dir aufbauen. Das ist so, als würdest du ein paar Tanz machen, aber nur die einzige Person sein, die tanzt.

Die Frage, die du dir stellen darfst, ist, reicht mir das in meiner Beziehung so, wie ich sie mir vorstelle, aus oder nicht? Sehe ich die Bereitschaft von meinem Partner, Dinge ändern zu wollen oder nicht? Ist die Bereitschaft da oder bin ich die Einzige, die hier wachsen und sich weiterentwickeln möchte? Und wenn nicht, kann ich diese korrigierenden Erfahrungen mit anderen Menschen haben? Dann kannst du eben schauen, ob ihr gemeinsam diesen Weg geht oder nicht. Beides ist okay. Es ist deine Entscheidung. Das, was du fühlst, was sich für dich richtig anfühlt, und das ist auch alles, was zählt, ganz egal, was andere sagen.


Hast du Gedanken zu dieser Folge? Eine Frage, auf die du noch keine Antwort gefunden hast? Oder kennst du jemanden, den ich unbedingt mal interviewen sollte?