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Breathwork und Trauma – dein Körper weiß mehr als dein Kopf

Transkript:

[Intro-Musik]

Clarissa: Willkommen zu einer neuen Folge. Ich habe heute Sarah bei mir, sie ist somatische Mentorin und traumasensible Breathwork Practitionerin für Emotional Release und Nervensystemregulation. Herzlich willkommen, Sarah.

Sarah: Danke, ich freue mich sehr hier zu sein.

Clarissa: Ich freue mich auch. Ich habe ja schon ein bisschen recherchiert zu dem Thema und ich finde es mega spannend. Du atmest zwischen 21.000 und 26.000 mal pro Tag, und die meisten davon völlig unbewusst und oft auch falsch. Und genau darum geht es heute. Sarah, erkläre uns doch mal, was ist Breathwork eigentlich?

Sarah: Breathwork ist im Grunde genommen die bewusste Steuerung des Atems, um physiologische, emotionale oder mentale Veränderungen herbeizuführen. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Breathwork. Es gibt zum Beispiel sehr beruhigende, aktivierende, reinigende Techniken. Und je nachdem, was man erreichen möchte, setzt man verschiedene Techniken ein.

Clarissa: Und was passiert dabei im Körper?

Sarah: Wenn wir bewusst atmen, beeinflussen wir direkt unser autonomes Nervensystem. Das ist der Teil von uns, der unbewusst Herzschlag, Verdauung, Immunsystem und eben auch den Atem reguliert. Über den Atem haben wir einen direkten Zugang zu diesem System. Wir können zum Beispiel durch langsames, tiefes Ausatmen den Parasympathikus aktivieren, das ist der sogenannte Rest-and-Digest-Modus. Oder durch schnelleres Atmen den Sympathikus, also Fight-or-Flight.

Clarissa: Das klingt so simpel und gleichzeitig so mächtig.

Sarah: Genau das ist es. Der Atem ist das einzige autonome System, das wir auch willentlich steuern können. Das macht ihn so besonders.

Clarissa: Jetzt hast du aber auch gesagt, die meisten atmen falsch. Was meinst du damit?

Sarah: Die meisten Menschen atmen chronisch flach, in die Brust statt in den Bauch. Das signalisiert dem Nervensystem dauerhaft, dass Gefahr besteht. Wir sind dann quasi im Dauerstress, ohne es zu merken. Viele Menschen haben verlernt, wirklich tief in den Bauch zu atmen, weil wir als Gesellschaft gelernt haben, den Bauch einzuziehen, Gefühle zu unterdrücken, funktionieren zu müssen.

Clarissa: Oh, das ist interessant. Du hast gerade Gefühle unterdrücken gesagt. Was hat Atmen mit Emotionen zu tun?

Sarah: Sehr viel. Emotionen sind körperliche Empfindungen. Das Wort Emotion kommt von lateinisch emovere, also herausbewegen. Wenn wir Gefühle nicht zulassen oder ausdrücken dürfen, speichert der Körper sie. Das zeigt sich dann zum Beispiel als Verspannungen, chronische Schmerzen, aber auch als Angst, Panikattacken oder emotionale Taubheit.

Clarissa: Und Breathwork kann dabei helfen, diese gespeicherten Emotionen zu lösen?

Sarah: Ja. Bestimmte Breathwork-Techniken können den Körper in einen Zustand versetzen, in dem er beginnt, diese alten Muster loszulassen. Das nennt sich Emotional Release. Das kann sich anfühlen wie Weinen, Zittern, Lachen, manchmal auch Wut. Das sind alles natürliche Entladereaktionen des Nervensystems.

Clarissa: Jetzt muss ich aber auch fragen, weil du das ja bewusst ansprichst: Breathwork ist nicht immer sicher, oder? Gerade online sieht man ja sehr viele Videos und Anleitungen.

Sarah: Das ist mir wirklich wichtig zu betonen. Transformative Breathwork-Techniken, also die intensiveren, die wirklich tief in das Nervensystem eingreifen, die sollte man nicht einfach alleine zu Hause nach einem YouTube-Video machen. Das kann gefährlich sein. Menschen können dissoziieren, es können starke emotionale Reaktionen ausgelöst werden, die ohne Begleitung überwältigend sind. Es kann auch zu körperlichen Symptomen kommen wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen, im schlimmsten Fall Ohnmacht.

Clarissa: Was empfiehlst du also?

Sarah: Sanfte Techniken wie das verlängerte Ausatmen, das sogenannte physiologische Seufzen, das sind Dinge, die man sicher alleine üben kann. Aber für alles, was intensiver ist, wirklich einen ausgebildeten Practitioner aufsuchen, der traumasensibel arbeitet. Das ist entscheidend.

Clarissa: Du arbeitest ja auch traumasensibel. Was bedeutet das genau?

Sarah: Traumasensibel bedeutet, dass ich verstehe, dass der Körper auf bestimmte Reize mit Schutzreaktionen reagiert, die manchmal aus vergangenen Erlebnissen stammen. Wenn ich mit jemandem arbeite, gehe ich nie davon aus, dass mehr immer besser ist. Ich arbeite in der Kapazität der Person, nicht darüber hinaus. Das Nervensystem braucht Sicherheit, um sich zu öffnen.

Clarissa: Das klingt sehr behutsam.

Sarah: Es muss behutsam sein. Wir können das Nervensystem nicht zwingen. Wir können nur einladen.

Clarissa: Lass uns über etwas sprechen, das mich wirklich interessiert: People Pleasing. Du hast in deiner Beschreibung erwähnt, dass das mit steckengebliebenen Körperreflexen zu tun hat. Wie hängt das zusammen?

Sarah: People Pleasing ist aus meiner Sicht eine Überlebensstrategie. Wenn wir als Kinder gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse nicht willkommen sind, oder dass wir Liebe und Sicherheit bekommen, wenn wir uns anpassen und keine Probleme machen, dann schaltet das Nervensystem in einen Modus, der dauerhaft versucht, die Umgebung sicher zu machen, indem man andere zufriedenstellt. Das ist ein Reflex, der eigentlich uns schützen sollte, aber irgendwann stecken bleibt.

Clarissa: Und wie hilft Breathwork dabei?

Sarah: Breathwork hilft, den Körper aus diesem Freeze-Modus herauszuholen. Viele People Pleaser sind chronisch in einem Zustand der Erstarrung oder Überanpassung. Durch Breathwork und somatische Arbeit lernt der Körper, dass es sicher ist, Nein zu sagen, Grenzen zu setzen, sich zu zeigen.

Clarissa: Das finde ich so faszinierend, weil es so viele von uns betrifft.

Sarah: Es betrifft wirklich sehr viele. Und das Schöne ist, es ist nicht deine Schuld. Es war eine Anpassung, eine Intelligenz des Körpers. Aber sie dient dir jetzt nicht mehr.

Clarissa: Ich möchte noch über Panikattacken sprechen. Was passiert da im Körper, und kann Breathwork helfen?

Sarah: Bei einer Panikattacke schießt das Nervensystem in einen extremen Sympathikus-Zustand. Der Körper denkt, er ist in Lebensgefahr. Der Atem wird flach und schnell, der Herzschlag steigt, man fühlt sich außer Kontrolle. Was in dem Moment helfen kann, ist tatsächlich eine sehr einfache Technik: langsam und bewusst ausatmen. Länger ausatmen als einatmen. Das aktiviert den Parasympathikus und signalisiert dem Gehirn, dass keine Gefahr besteht.

Clarissa: Das klingt so einfach, aber ich weiß, dass es im Moment selbst schwer ist, das zu tun.

Sarah: Genau. Deshalb ist es so wichtig, das vorher zu üben, wenn man sich sicher fühlt. Damit der Körper es kennt, wenn es darauf ankommt.

Clarissa: Was ist deine wichtigste Botschaft für alle, die jetzt zuhören?

Sarah: Dein Atem ist immer da. Er ist dein direktester Zugang zu dir selbst, zu deinem Nervensystem, zu deinen Emotionen. Du musst nichts Besonderes tun, du musst nur anfangen, ihn wahrzunehmen. Anfangen zu spüren, wie du gerade atmest. Das ist der erste Schritt.

Clarissa: Wunderschön. Danke, Sarah. Wo können die Leute dich finden?

Sarah: Auf Instagram unter shebreathesincycles und auf meiner Website sarahromina.com.

Clarissa: Perfekt. Ich verlinke alles in den Shownotes. Danke dir, Sarah, für dieses wirklich tiefe und wichtige Gespräch.

Sarah: Danke dir, es war mir eine Freude.

[Outro-Musik]

Du atmest zwischen 21.000 und 26.000 mal pro Tag, meistens völlig unbewusst und oft auch falsch

Du atmest zwischen 21.000 und 26.000 mal pro Tag, und die meisten davon völlig unbewusst und oft auch falsch. Breathwork ist im Grunde genommen die bewusste Steuerung des Atems, um physiologische, emotionale oder mentale Veränderungen herbeizuführen. Es gibt sehr viele verschiedene Arten von Breathwork. Es gibt zum Beispiel sehr beruhigende, aktivierende, reinigende Techniken. Und je nachdem, was man erreichen möchte, setzt man verschiedene Techniken ein. Wenn wir bewusst atmen, beeinflussen wir direkt unser autonomes Nervensystem. Das ist der Teil von uns, der unbewusst Herzschlag, Verdauung, Immunsystem und eben auch den Atem reguliert. Über den Atem haben wir einen direkten Zugang zu diesem System. Der Atem ist das einzige autonome System, das wir auch willentlich steuern können. Das macht ihn so besonders.

Die meisten Menschen atmen chronisch flach, in die Brust statt in den Bauch. Das signalisiert dem Nervensystem dauerhaft, dass Gefahr besteht. Wir sind dann quasi im Dauerstress, ohne es zu merken. Viele Menschen haben verlernt, wirklich tief in den Bauch zu atmen, weil wir als Gesellschaft gelernt haben, den Bauch einzuziehen, Gefühle zu unterdrücken, funktionieren zu müssen.

Emotionen sind körperliche Empfindungen, und der Körper speichert sie

Emotionen sind körperliche Empfindungen. Das Wort Emotion kommt von lateinisch emovere, also herausbewegen. Wenn wir Gefühle nicht zulassen oder ausdrücken dürfen, speichert der Körper sie. Das zeigt sich dann zum Beispiel als Verspannungen, chronische Schmerzen, aber auch als Angst, Panikattacken oder emotionale Taubheit. Bestimmte Breathwork-Techniken können den Körper in einen Zustand versetzen, in dem er beginnt, diese alten Muster loszulassen. Das nennt sich Emotional Release. Das kann sich anfühlen wie Weinen, Zittern, Lachen, manchmal auch Wut. Das sind alles natürliche Entladereaktionen des Nervensystems.

Bei einer Panikattacke schießt das Nervensystem in einen extremen Sympathikus-Zustand. Der Körper denkt, er ist in Lebensgefahr. Der Atem wird flach und schnell, der Herzschlag steigt, man fühlt sich außer Kontrolle. Was in dem Moment helfen kann, ist tatsächlich eine sehr einfache Technik: langsam und bewusst ausatmen. Länger ausatmen als einatmen. Das aktiviert den Parasympathikus und signalisiert dem Gehirn, dass keine Gefahr besteht. Deshalb ist es so wichtig, das vorher zu üben, wenn man sich sicher fühlt. Damit der Körper es kennt, wenn es darauf ankommt.

Transformative Breathwork-Techniken sollte man nicht einfach alleine zu Hause nach einem YouTube-Video machen

Transformative Breathwork-Techniken, also die intensiveren, die wirklich tief in das Nervensystem eingreifen, die sollte man nicht einfach alleine zu Hause nach einem YouTube-Video machen. Das kann gefährlich sein. Menschen können dissoziieren, es können starke emotionale Reaktionen ausgelöst werden, die ohne Begleitung überwältigend sind. Es kann auch zu körperlichen Symptomen kommen wie Kribbeln, Taubheitsgefühlen, im schlimmsten Fall Ohnmacht.

Sanfte Techniken wie das verlängerte Ausatmen, das sogenannte physiologische Seufzen, das sind Dinge, die man sicher alleine üben kann. Aber für alles, was intensiver ist, wirklich einen ausgebildeten Practitioner aufsuchen, der traumasensibel arbeitet. Traumasensibel bedeutet, dass ich verstehe, dass der Körper auf bestimmte Reize mit Schutzreaktionen reagiert, die manchmal aus vergangenen Erlebnissen stammen. Wenn ich mit jemandem arbeite, gehe ich nie davon aus, dass mehr immer besser ist. Ich arbeite in der Kapazität der Person, nicht darüber hinaus. Das Nervensystem braucht Sicherheit, um sich zu öffnen. Wir können das Nervensystem nicht zwingen. Wir können nur einladen.

People Pleasing ist eine Überlebensstrategie, und Breathwork hilft, den Körper aus diesem Modus herauszuholen

People Pleasing ist aus meiner Sicht eine Überlebensstrategie. Wenn wir als Kinder gelernt haben, dass unsere Bedürfnisse nicht willkommen sind, oder dass wir Liebe und Sicherheit bekommen, wenn wir uns anpassen und keine Probleme machen, dann schaltet das Nervensystem in einen Modus, der dauerhaft versucht, die Umgebung sicher zu machen, indem man andere zufriedenstellt. Das ist ein Reflex, der eigentlich uns schützen sollte, aber irgendwann stecken bleibt.

Breathwork hilft, den Körper aus diesem Freeze-Modus herauszuholen. Viele People Pleaser sind chronisch in einem Zustand der Erstarrung oder Überanpassung. Durch Breathwork und somatische Arbeit lernt der Körper, dass es sicher ist, Nein zu sagen, Grenzen zu setzen, sich zu zeigen. Es war eine Anpassung, eine Intelligenz des Körpers. Aber sie dient dir jetzt nicht mehr.

Dein Atem ist immer da. Er ist dein direktester Zugang zu dir selbst, zu deinem Nervensystem, zu deinen Emotionen. Du musst nichts Besonderes tun, du musst nur anfangen, ihn wahrzunehmen. Anfangen zu spüren, wie du gerade atmest. Das ist der erste Schritt.

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