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58 – Der Versuch, Sicherheit durch Kontrolle zu erschaffen

Clarissa mit C · Podcast

Du denkst zu viel, passt dich zu sehr an und weißt eigentlich genau, was du ändern willst - und trotzdem läuft es immer gleich. In dieser Folge spreche ich darüber, was wirklich hinter Overthinking und People Pleasing steckt und warum das Verstehen allein nicht reicht, um etwas zu verändern.

Es gibt ein Muster hinter dem Muster - und sobald du das erkennst, bekommst du eine völlig neue Perspektive auf dein Verhalten. Ich teile mit dir, welche Erkenntnis mich aus meinem eigenen Gedankenchaos rausgeholt hat und was Veränderung neurobiologisch wirklich in Gang setzt.

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Der Versuch, Sicherheit durch Kontrolle zu erschaffen

Zu viel denken, zu viel anpassen

Diese Folge ist für alle, die zu viel denken und sich zu sehr anpassen. Für alle Menschen, die Millionen Szenarien durchspielen, die niemals eintreten werden. Die Grenzen setzen und sie dann doch nicht halten. Ich komme nämlich genau aus dieser Ecke. Ich kenne das Gefühl sehr, sehr gut, in so ein Muster festzustecken, das ich längst durchschaut habe, aber es irgendwie trotzdem nicht hinbekomme, es zu verändern. Ich habe mein ganzes Leben lang nach Sicherheit gesucht. Habe mich angepasst, damit andere positiv auf mich reagieren. Habe Grenzen gesetzt, die ich dann doch nicht eingehalten habe, weil die Reaktion meines Gegenübers sich dann zu unsicher angefühlt hat. Ich wusste das alles. Das ist ja das Ding, ich konnte das benennen, ich konnte das erklären, ich habe es ja aus 100 Perspektiven beleuchtet und analysiert und trotzdem lief es immer gleich.

Sicherheit durch Kontrolle: das Muster hinter dem Muster

Was ich damals aber noch nicht verstanden hatte: ich habe nicht einfach nur zu viel nachgedacht oder mich zu sehr angepasst, sondern ich habe versucht, Sicherheit herzustellen, indem ich versucht habe, die Kontrolle zu behalten. Es gibt also ein Muster hinter dem Muster. Overthinking und People-Pleasing haben im Kern genau diese Gemeinsamkeit, der Versuch, Dinge zu kontrollieren, um Sicherheit herzustellen.

Wenn du über die Vergangenheit nachdenkst und immer wieder dieselben Situationen durchgehst, was tust du da eigentlich? Du versuchst, die Vergangenheit zu kontrollieren. Wenn du dir Szenarien für die Zukunft ausmalst, alle möglichen Varianten, alle möglichen Reaktionen, all das, was möglicherweise schief gehen könnte, was tust du da eigentlich? Du versuchst, die Zukunft zu kontrollieren. Und wenn du dich anpasst und Dinge tust, die du eigentlich nicht willst, wenn du Grenzen setzt und sie dann doch nicht hältst, was tust du da eigentlich? Du kontrollierst, wie andere auf dich reagieren. Zumindest versuchst du zu kontrollieren, wie andere auf dich reagieren, wie andere über dich denken könnten.

Unser Nervensystem hat gelernt, dass Kontrolle Sicherheit bedeutet. Ich denke da gerade an Kinder, die in einem Haushalt aufgewachsen sind mit gestressten oder überforderten Eltern, die dem Kind signalisiert haben, dass das Kind so nicht richtig ist, wie es ist. Wenn das Kind sich nicht so verhält, wie es diese Eltern haben wollen, dann lernt das Kind ganz schnell, sich anzupassen. Und diese Form der Anpassung ist ein Versuch der Kontrolle für das Kind, der ihm Sicherheit gibt. Das ist eine wahnsinnig intelligente Schutzstrategie dieses Kindes. Was aber dann passiert, ist, dass es Anteile von sich wegschließt, die ja nicht erwünscht sind, und diese Anteile so lange wegschließt, bis sie ihren Weg im Erwachsenenalter finden, um sich zu zeigen. Also es lohnt sich, der Blick mal in die Vergangenheit und es lohnt sich, der Blick mal seine eigenen Muster zu hinterfragen, um zu verstehen, wo kommt das denn eigentlich her? Wenn wir verstehen, wo unser Verhalten herkommt und warum wir das tun, dann können wir das greifen und dann können wir damit arbeiten.

Zwei Kräfte, die gegeneinander arbeiten

Ich selber habe dazu tendiert, bis ins kleinste Detail alles zu analysieren und aus hunderten Perspektiven zu beleuchten. Das alles zu verstehen hat mir sehr viel weitergeholfen. Aber es hat mich beschäftigt gehalten mit der Vergangenheit. Und je öfter ich diese Gedankenschleifen durchgespielt habe, desto mehr habe ich mich damit identifiziert.

Ich habe beobachtet, dass meine Gedanken und meine Wünsche in zwei komplett unterschiedliche Richtungen gezeigt haben. Ich wollte Leichtigkeit, ich wollte aufhören, mich anzupassen, ich wollte meine Grenzen nicht nur setzen, sondern sie auch halten. Aber meine Gedanken liefen die ganze Zeit auf Unsicherheit, Kontrolle, Worst-Case-Szenario. Und das ist das, was passiert, wenn zwei Kräfte gegeneinander arbeiten. Du wünschst dir das eine, aber du denkst in die andere Richtung. Und solange das so ist, bleibst du auf der Stelle stehen.

Dein Leben spiegelt dir zurück, was du am stärksten in dir trägst, was du täglich denkst, was du über dich selbst für wahr hältst. Wenn du glaubst, dass Sicherheit nur durch Kontrolle entsteht, wird das Leben dir immer wieder Situationen schicken, die diesen Glauben bestätigen. Dein Fokus erschafft also deine Realität. Klingt vielleicht spirituell, ist aber gleichzeitig reine Neurobiologie. Unser Gehirn baut aus, was wir am häufigsten denken und tun.

Die Schotterpiste: Veränderung als Prozess

Stell dir das wie ein Straßennetz vor. Eine Autobahn, die du täglich fährst, die ist perfekt ausgebaut. Der neue Weg, der Schotterweg, der in die Richtung führt, in die du gehen möchtest, der ist aber noch unbefahren, holprig und ungemütlich. Und in dem Moment, wo dich eine Situation dann triggert, nimmt dein Gehirn automatisch die Autobahn. Das erklärt, warum Wissen alleine nichts verändert. Dein System fährt die bekannte Route, weil sie vertraut ist und weil sie dadurch Sicherheit bietet.

Als ich angefangen habe, meine Gedanken, meinen Fokus dahin auszurichten, wo ich hin möchte, haben sich meine Gedanken in dieselbe Richtung bewegt, wie das, was ich mir wünsche. Und das war der Moment, als sich Veränderung eingestellt hat. Es braucht also die Bereitschaft, die Schotterpiste auch dann weiter zu fahren, wenn alles wackelt und sich alles ungemütlich anfühlt. Denn dieses Gefühl bedeutet nicht, dass irgendwas falsch ist, sondern es bedeutet, dass du gerade einen neuen Weg ausbaust, den du gewählt hast.

Jede Erfahrung, jeder Versuch, jedes Mal, dass du es probiert hast und es doch noch nicht geklappt hat, das war alles andere als scheitern, sondern ein Üben. Die Sicherheit, die ich in mir über Jahre im Außen gesucht habe, kommt heute mehr und mehr von innen. Wenn du dir deine Schotterpiste vorstellst, wie würde die eigentlich heißen?


Hast du Gedanken zu dieser Folge? Eine Frage, auf die du noch keine Antwort gefunden hast? Oder kennst du jemanden, den ich unbedingt mal interviewen sollte?